Keine weiteren Sparmassnahmen auf Kosten der Berufsbildung

Seit Jahren wird von allen Seiten auf die immense Bedeutung der dualen Berufsbildung auf den Wohlstand unseres Landes hingewiesen. Der Kanton Luzern hat sich auf die Fahne geschrieben, eine „Referenzgrösse“ in der Berufsbildung zu sein. Lokal verwurzelte KMU und Gewerbebetriebe sind ein zentraler Pfeiler der Luzerner Wirtschaft. Ihr Erfolg fundiert nicht zuletzt auf gut ausgebildeten Fachkräften.

Berufsbildung im Kanton Luzern ist günstig und effektiv

Der Kanton Luzern bietet die Berufsbildung gemäss Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel sehr günstig und effektiv an. In der Kostenerhebung des SBFI betragen die Kosten pro Lernenden im Kanton Luzern nur 83% des Durchschnitts aller Kantone. Im Budget 2015 wurden in der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung DBW Kürzungen von 6,3 Millionen gegenüber der Rechnung 2014 eingeplant. Seit dem Jahr 2010 ist die Zahl der Lernenden in der DBW um 16% gestiegen. Gleichzeitig wurden in der DBW 60 Vollzeitstellen abgebaut.

Im Gesamtbudget des BKD verursacht die DBW 21% des Aufwandes. Zu den Sparmassnahmen im AFP 2016–2019 muss die DBW jedoch 41% beitragen.

Sparbeitrag der Berufsbildung 2013-2015

Die wichtigsten Massnahmen der Jahre 2013-2015, welche Lernende und Lehrpersonen betreffen mit den Kosteneinsparungen pro Jahr sind:

 Reduktion der Begleitangebote in der 2‐jährigen Grundbildung EBA (-500'000) 
 Optimierung Klassenplanung und Erhöhung Klassengrösse auf 26 Lernende (-900'000) 
 Streichung der Entlastung der Klassenlehrperson (-1'100'000) 
 Reduktion der Altersentlastung der Lehrperson (-100'000) 
 Reduktion Entlastungslektionen/Funktionszulagen (-400'000) 
 Reduktion Weiterbildung Lehrpersonen (-110'000)

Diese Massnahmen haben einerseits zu tieferen Löhnen geführt (3-8%, je nach Alter und Anstellung) und anderseits die Arbeitsbelastung zum Teil erheblich erhöht.

Weitere Schwächung im AFP 2016-2019

Im AFP 2016 – 2019 plant die Luzerner Regierung grosse Kürzungen in der Berufsbildung. Die wichtigsten Kürzungen, welche Lernende und Lehrpersonen betreffen sind:

 Erhöhung der Lektionenverpflichtung um 1 Lektion (von 24 auf 25) 
 Reduktion der Unterrichtszeit um eine Schulwoche ("Sparwoche") 
 Reduktion des übrigen Personalaufwandes um 1% 
 Schliessung der Fachklasse Grafik 
 Schulgelderhöhungen VSA und Beitragsreduktion BP und MP 
 Stellenreduktion beim Verwaltungs- und Betriebspersonal um 5%

Die geplanten Massnahmen kürzen den "Lohn" der Lehrpersonen inkl. dem übrigen Personalaufwand um fast 8 Prozent. In der DBW müssen alleine bei den Lehrpersonen etwa 19 Vollzeitstellen abgebaut werden (ohne Schliessung der Fachklasse Grafik) und beim Verwaltungs- und Betriebspersonal gehen 7,5 Stellen verloren.

Auswirkungen der Sparmassnahmen

Die Sparmassnahmen bei der DBW werden die Qualität des schulischen Teils der Berufsbildung verschlechtern:

 die individuelle Betreuung und somit Entwicklung der Lernenden wird immer schwieriger
 die schwächeren Schüler und Schülerinnen geraten zunehmend unter Druck 
 Der Austausch mit den Lehrbetrieben wird wegen der grösseren Pensenverpflichtung und den grossen Schülerzahlen je Klasse verschlechtert 
 Die Umsetzung von vielen Entwicklungsprojekten an den Berufsschulen wird gefährdet 
 Die Zahl der Lehrpersonen in Kleinpensen, welche auch noch in der Wirtschaft tätig sind, wird vermindert 
 Die Fluktuation von Lehrpersonen an den Berufsschulen wird weiter vergrössert. Bereits jetzt haben viele erfahrene und gute Lehrpersonen neue Stellen (in anderen Kantonen) gefunden und viel Knowhow und Erfahrung ging verloren 
Die Stimmung an den Berufsschulen wird sich weiter verschlechtern.

Forderungen des BCH

Die duale Berufsbildung ist ein zentraler Pfeiler unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Der schulische Teil der dualen Berufsbildung darf nicht geschwächt werden. Gut ausgebildete und marktfähige junge Berufsleute sind unsere Zukunft! Unsere Lehrlinge haben Taten verdient, nicht nur Worte. Der BCH Luzern wehrt sich deshalb vehement gegen weitere Sparübungen in der Berufsbildung und ruft alle konstruktiven Kräfte in Politik und Wirtschaft auf, sich für eine starke Berufsbildung einzusetzen.

Der Verband der Luzerner Berufsschullehrer und Berufsschullehrerinnen fordert von den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft:

Opfersymmetrie bei notwendigen Sparmassnahmen: alle Departemente und alle Kantonsangestellte sollen bei den Sparmassnahmen ähnlich behandelt werden 
 Auf die Erhöhung der Lektionenverpflichtung bei den Lehrpersonen in der Berufsbildung ist zu verzichten. Zumindest sollen alle Lehrpersonen der SEK II gleich behandelt werden
 Auf die Schliessung der Fachklasse Grafik am Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrum ist zu verzichten
 Auf den Personalabbau beim Verwaltungs‐ und Betriebspersonal an den Berufsbildungszentren ist zu verzichten 
 auf teure Projekte im Bildungsbereich ist zu verzichten

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